Aspartam

Aspartam

Am 18. August 1999 fand vor der 12. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf eine mündliche Verhandlung statt. Die Antragstellerin war eine Firma, die unter dem Markennamen NutraSweet den Süßstoff Aspartam vertrieb. Antragsgegner war Herr Dr. Hermann Kruse, Eichendorffstraße 47,24223 Raisdorf.

Dr. Kruse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Toxikologie der Universität Kiel.
Am 18.05.1999 wurde er zu einem Interview in eine ZDF-Sendung eingeladen. Mit einem Beitrag zum Thema Lebensmittelzusatzstoffe. Die Antragstellerin hat ein Video von dieser Sendung vorgelegt. Im Buch „Die Ernährungslüge“ wird berichtet, dass Dr. Kruse bereits 30 Minuten nach der Sendung den „ruppigen“ Anruf eines Anwalts aus Düsseldorf erhalten hatte, der die Firma NutraSweet vertrat.

Nachfolgendes Interview des Toxikologen Dr. Kruse, das in verschiedenen Publikationen nachgelesen werden kann, war Stein des Anstoßes und Ursache für die Gerichtsverhandlung:

Zitat Anfang:

Conrad, die Interviewerin: Dr. Hermann Kruse ist Lebensmittelexperte und Toxikologe der Universität Kiel, Guten Tag dorthin, Herr Kruse. Herr Dr. Kruse, wenn ich mir meinen Yoghurt-Becher begucke und sehe dort jede Menge E-Nummern, sollte ich den dann gleich wieder wegstellen?

Kruse: Das müssen sie nicht tun, aber sie sollten als Verbraucher eben informiert sein, um welche Zusatzstoffe es sich handelt, und ob da vielleicht einige Zusatzstoffe darin enthalten sind, die toxikologisch bedenklich sind. Darüber bedarf es eben einer gewissen Aufklärung. Also nicht wegstellen, sondern sich lieber aufklären lassen.

Conrad: Ja und woher weiß ich denn nun, welche Zusatzstoffe schädlich sind? Können sie uns da ein paar nennen, die da gerne vorkommen?

Kruse: Aus der Sicht des Toxikologen gibt es bestimmte Gruppen, die bedenklich sind. Dazu zählen die – von ihnen vorhin schon genannten – Antioxydanzien, es sind die Süßstoffe, es sind vor allen Dingen die Farbstoffe, die hier im Vordergrund stehen. Und für diese Stoffe muss eben eine toxikologische Abwägung stattfinden. Es muss eine Zulassung dieser Stoffe stattfinden, und man muss eben auch wissen, was ein Zuviel an diesen Farbstoffen bedeutet, dass es eben dann zu Befindlichkeitsstörungen kommen kann, wenn zuviel von diesen Stoffen aufgenommen wird, oder dass es auch dann – und das ist eben das besondere Problem – zu allergischen Reaktionen bei Betroffenen kommen kann.

Conrad: Die Farbstoffe, die sind vielleicht nicht so wichtig, oder da achtet man auch nicht so sehr drauf, aber viele versuchen, sich was Gutes zu tun, indem sie z.B. keinen Zucker verwenden, sondern sogenannte Zuckerersatzstoffe, sie haben den Süßstoff eben schon erwähnt. Ist das aus ihrer Sicht problematisch?

Kruse: Ja, da gibt es einen Süßstoff dabei, den wir aus toxikologischer Sicht für bedenklich halten, das ist das Aspartam. Bei dem Aspartam besteht ein Verdacht, dass das Aspartam zum Krebsgeschehen einen Beitrag leistet. Es ist selbst nicht krebserzeugend – damit es keine Missverständnisse gibt – aber einen gewissen Beitrag leisten kann. Und dass es eben auch zu Befindlichkeitsstörungen bei zuviel kommt, beispielsweise übermäßige Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Beschwerden im Nackenbereich usw. Wir fassen das auch zusammen unter dem Begriff das China-Restaurant-Syndrom. Das ist also ganz typisch beobachtet worden bei einem Glutamat-Zusatz – das ist übrigens ein Geschmacksverstärker, der auch in Anwendung ist – dort ist das eben beobachtet worden, und insofern ist das Aspartam immer noch in Verdacht, auch nicht ganz unbedenklich zu sein als Süßstoff.

Conrad: Also, Hände weg davon. Noch ein anderes Thema: Ob jetzt Bolognese aus der Tüte oder Pizza aus der Tiefkühltruhe, wie beurteilen sie denn Fertigprodukte, die ja für die Hausfrau wunderbar praktisch sind?

Kruse: Da möchte ich zwei Problemkreise ansprechen. Das erste ist, dass bei solchen Fertiggerichten nicht unbedingt alle Zusatzstoffe deklariert sein müssen. Es handelt sich um Fertiggerichte, um Mixturen, die nicht unbedingt einer Deklarationspflicht unterliegen. Hinzukommt, dass eben bei solchen Fertiggerichten ein Mix von Zusatzstoffen eine Rolle spielen kann, und gerade die Kombinationswirkung derartiger Zusatzstoffe ist vielleicht das besonderer Problem, wovon auch gerade Allergiker betroffen sind.
D.h. Allergiker müssen besonders gut aufgeklärt werden, und da langt es eben nicht, dass man vielleicht nur gruppenweise Stoffe benennt, sondern da müssen Einzelstoffe ganz konkret benannt werden, damit der Allergiker sich da vor unliebsamen Reaktionen – die sie auch schon ansprachen – schützen kann.

Conrad: Das waren ja jede Menge wertvoller Hinweise und Ratschläge. Dr. Hermann Kruse war das, Lebensmittelexperte und Toxikologe von der Universität Kiel.

Zitat Ende:

Wie ging nun die Verhandlung aus?

Die Firma NutraSweet hatte eine Einstweilige Verfügung gefordert, in der dem Forscher Kruse untersagt werden sollte, wörtlich oder sinngemäß zu behaupten, was er in der ZDF-Sendung über Aspartam geäußert hatte. Einige Äußerungen sollten sogar komplett verboten werden.
Das Gericht wies die geforderte Einstweilige Verfügung zurück. Dr. Kruse musste keine seiner Behauptungen zurücknehmen.
Der Süßstoff Aspartam kommt in über 6.000 Produkten vor: In Limonaden, Kaugummis, Süßigkeiten, Joghurts oder Diabetiker-Lebensmitteln, in Vitaminpillen und zuckerfreien Halspastillen

Dies soll es heute für das Thema Aspartam sein.  Die Diskussion über Aspartam wird auch 8 ½ Jahre nach der Gerichtsverhandlung noch genau so hitzig geführt. Achten Sie auf E951, das ist Aspartam

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